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2025

Biodiversität und Artenvielfalt in meinem Garten – Teil 1

Wie heißt noch gleich der schöne Satz: Ein jeder langer Weg beginnt mit dem ersten Schritt. Und getreu diesem Motto kann man im eigenen Garten schon mit kleinen Dingen viel für unsere Mitkreaturen tun. Also gleich vorab: Es muss danach nicht aussehen als im Auenwald an der Isar. Es gibt Zwischenbereiche und Lösungen. Es gibt so viele verschiedene Elemente und Wege. Wir starten mit fünf Möglichkeiten, wie ihr euren Garten reicher macht.

Wilde Ecken & Benjeshecke

Eine kleine wilde Ecke entstehen lassen

Ist euer Garten größer als ein Handtuch, bietet es sich an, eine kleine Ecke, nicht direkt vor der Terrasse, verwildern zu lassen – einfach mal die Natur sein lassen und wir schauen dabei zu was passiert. Kosten = 0, Ordnungsliebende müssen einmal kurz tief einatmen, aber Flora und Fauna freut sich: Schon bald grüßen neue Mitbewohner.

Benjeshecke /Totholzhecke

Benjeshecke: Ein wunderbares Totholz – Element. Holzpfosten werden als stabilisierende und formgebundene Pfosten in den Boden gerammt. Der Sträucherschnitt oder anderes Geäst wird locker und linear gestapelt. Es darf auch mal ein dickerer Ast dabei sein und das Ganze kann sich auch über Jahre entwickeln und wachsen. Es entsteht ein kleiner Wall, der je nach Höhe auch als Sicht- und Windschutz dienen kann. Vorsicht: Pflanzen, die umgehend wieder Wurzeln schlagen und dann sehr dominant sind, wie Brombeeren, verwenden wir lieber nicht.

Die Vorteile an der Hecke der Gebrüder Benjes: Man spart sich die Fahrt zum Gemeindecontainer und die Hecke entwickelt schon nach kurzer Zeit ein interessantes Eigenlegen.

Für zahlreiche Vogelarten wie Zaunkönig, Rotkehlchen und Heckenbraunelle entsteht ein möglicher Nistplatz. Auch Nützlinge wie Igel, Siebenschläfer, kleine Reptilien oder Insekten, unter anderem Wildbienen, ziehen ein und rücken etwaigen Schädlingen zu Leibe.

Mit der Zeit wachsen auch Pflanzen, die von den Vögeln gesät werden, aus der Hecke und es wird grün. Bei viel Platz können richtige Wildhecken entstehen – rechts ein Bild von unserem Feldversuch.

Der Rasen und die Bäume

Ein Teil des Rasens auch mal stehen lassen

Seltener mähen und den Dünger weglassen - das kann man machen. In eine ähnliche Richtung ging das Thema schon bei unserem letzten Newsletter: Kräuterrassen versus Zierrasen. Mit dem oben gegeben Rat, kann man das Unterfangen ganz gemächlich angehen. Man legt eine Fläche im Garten fest, in der nicht mehr der Ball rollt und lässt den Rasen einfach länger wachsen. Bei der Mahd wird der Grünschnitt weiterhin entfernt und der Boden abgemagert. Mit der Zeit kommen andere Arten hinzu – mit Initialstauden kann man nachhelfen (Gruß an Max Panitz von Stauden Panitz – ihm fehlte das Werkzeug beim letzten Newsletter und das absolut zurecht). Wer sich mehr Arbeit machen möchte: Die Burrimethode lässt grüßen – dazu in einer anderen Ausgabe mehr.

Einen Baum pflanzen

Die beste Zeit einen Baum zu pflanzen war vor 20 Jahren, der Zweitbeste ist jetzt.

Ja – auch heuer kommt er wieder, der heiße Sommer. Wie angenehm ist es doch unter einem natürlichen Schatten zu liegen am geliebten Badeweiher, Freibad oder im Park. Warum eigentlich? Wegen dem Kiosk mit Eis und Kaltgetränken gegenüber? Auch. Aber vielleicht noch entscheidender: Ein Baum! Er kühlt bis zu fünf Grad im Sommer die darunterliegende Luft durch seine biologische Aktivität ab – eine kleine Klimaanlage. Und ein Riesen-Lebensraum: Als Beispiel ganz vorne dabei die Eiche: ca. 500 Arten leben auf diesem stillen Riesen.

Wenn ihr euch die richtige Baumart aussucht bzgl. Standort und Größe habt ihr lange Freude und wenig zutun. Das Klettergerüst für den Nachwuchs kann bei einer mehrstämmigen Variante auch gleich eingespart werden.

Wer noch tiefer in das Thema einsteigen möchte, den legen wir das neue Naturgarten-Fachmagazin ans Herz: „Stadtbäume – Biodiversität und Klima“ von Ulrike Aufderheide.

Buchtipp zum Thema: " Mein Garten wird ein Naturgarten" von Birgit Helbig

Ein Magerbeet mit heimischen Wildstauden und Kräutern anlegen

Ganz nach dem Motto: Jeder m2 zählt. Kies und Kompost = wenig Pflege garniert mit anmutigen Trockenheitskünstler im Garten. Denn gerade die mageren, sehr artenreichen Standorte werden in der Natur immer weniger, Lebensraum verschwindet. Wie wird’s gemacht? Das Beet festlegen, gerne sich anfangs nicht zu viel vornehmen, 20-30 cm tief ausheben (der Aushub kann an anderer Stelle wunderbar zur Modellierung verwendet werden), mit Kies / Mineralschotter auffüllen und ganz oben drauf kommen noch 2-3 cm feiner Kompost – den arbeiten wir oberflächlich mit dem Rechen ein. Nun kann gepflanzt und gesät werden. Als Beispiel für einen schönen klassischen Farbdreiklang in gelb, blau-lila und weiß meine Staudenhighlights für Euch: Natternkopf, Berg-Laserkraut, Ochsenauge, Astige Graslilie, Hufeisenklee, Gold-Aster, rundblättrige Glockenblume und Lavendel. Ein wenig auf die Endhöhen achten. Dazu gerne noch gewünschte Kräuter mit einplanen. Wunderbare Gerüstbildner dazu: Ginster. Wer sich hier inspirieren möchte: Das Buch von Peter Steiger „Heimische Wildstauden im Garten“ ist prächtig. Für Fortgeschrittene: Einjährige mit ansäen um auch im ersten Jahr schon tolle Effekte zu erzielen und im Herbst Zwiebelpflanzen mit einbringen. Wo gibt’s guten Stoff: Unsere zwei Staudengärtnereien: Stauden Spatz und Stauden Panitz: Hinfahren oder Surfen, shoppen und los geht‘s.

Viel Vergnügen beim Schaffen von Lebensraum!